Gartenkunst: Motive der Freimaurerei

LUDWIG TRAUZETTEL:

Freimaurerische Motive in Landschaftsgärten des 18. Jahrhunderts


Sehr viele Besitzer von Landschaftsgärten gehörten im 18. Jahrhundert unterschiedlichen Freimaurerlogen an. Das trifft bereits für das englische Vorbild zu, wo die Gemeinschaft aufgeklärter Oppositioneller die Entwicklung des frühen Landschaftsgartens am Anfang maßgeblich beeinflusst hatte, und die von Gleichheit und Brüderlichkeit geprägten Geheimgesellschaften die neuen Motive ihres Gesellschaftsideals im Bild- und Gestaltungsprogramm der entstehenden Gärten und Gartenarchitekturen auszudrücken versuchten.

Die Freimaurer, die nach entsprechender "Prüfung" durch Rituale gereinigt, einen vorbestimmten Weg beschritten hatten und je nach Grad zum Lehrling, Gesellen oder Meister gereift waren, hatten ein neues Wissen (Erleuchtung) erlangt. Die Mitglieder der geschlossenen Gesellschaften waren in Logen zusammengefasst und sich gegenseitig zu Ehrlichkeit, Frömmigkeit, Loyalität und Verschwiegenheit verpflichtet. Die an Bauten und Gärten umgesetzte Symbolik orientiert sich bereits seit der frühen freimaurerischen Entwicklung in England am Handwerk der Steinmetzen und Maurer, wo die Beschäftigung mit der "alten" Architektur zur geistigen Auseinandersetzung und neuen ethischen wie ästhetischen Zielen und damit zu neuem Wissen führen sollte.

Elemente freimaurerischen Gedankengutes finden sich in sehr vielen deutschen Landschaftsgärten des 18. Jahrhunderts, obwohl die Logenmitgliedschaft der Bauherren zu Geheimbünden nicht regelmäßig nachzuweisen ist. Diese Tatsache hat unter den damit befassten Wissenschaftlern Meinungsverschiedenheiten hervorgerufen, die hier nicht abschließend gewertet werden können und sollen. Da sowohl Freimaurer wie nicht eingeweihte Gartenbesitzer Vorbilder der Antike zur Umsetzung in ihren Gärten nutzten und die maurerischen Gartenmotive wiederum mitunter ohne den geheimen Hintergrund lediglich als Bildstaffage in wieder weitere Landschaftsgärten übertragen wurden, wird das heute auch nicht abschließend zu klären und nur im Einzelfall nachzuweisen sein.

Freimaurerisch geprägte Anlagen sind in der Regel an den in ihnen umgesetzten Gestaltungen zu erkennen, die den maurerischen rituellen Prüfungsweg der Lehrlinge zur Erkenntnis (Erleuchtung) nachvollziehen und den Prüfling durch die Elemente Feuer und Wasser wie Erde und Luft zum maurerischen Geheimnis geleiten. Freimaurertürme, unterirdische Gewölbe und Grotten mit gezielten Lichtführungen, Minerva- oder Isisbezüge, Pyramiden Tempel und Ruinenanlagen gelten als ebenso deutliche Indizien, wie die Verwendung von Quadrat, Kreis und Dreieck oder der maurerischen Werkzeuge im gestalterischen Schmuckwerk der Einzelarchitekturen.

Es soll an dieser Stelle auf Grund der nicht abgeschlossenen wissenschaftlichen Bewertung auf Beispiele europäischer Freimaurergärten verzichtet werden. Eine Vielzahl der Anlagen wurde unter dieser Problemstellung bisher nicht untersucht, für weitere Gartenkunstwerke sind die bisherigen Erkenntnisse fachwissenschaftlich umstritten; diese Darstellung im Web soll nur das Augenmerk Interessierter auf die auch bestehende Problematik in der sehr vielfältigen europäischen Gartenkunst und ihren differenzierten Wurzeln und Entwicklungsrichtungen lenken.

Literatur:

  • Adrian von Buttlar: Der Landschaftsgarten. Köln 1989

  • Helmut Reinhardt: Der Einfluß der Freimaurer auf die Anlage und Gestaltung der Gärten im 18. Jahrhundert. In: Gartenkunst und Denkmalpflege. ICOMOS Deutsches Nationalkommitee, Mainz 1988




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